Ansgarschule Twist
 
 

Die Lehrerrolle ändert sich

Gemeinsam und erfolgreich Qualifizierungsmaßnahme durchgeführt


Bericht aus dem Ems Report von März 2010

 

Wie kann die Unterrichtsqualität an den Schulen in Niedersachsen nachhaltig verbessert werden? Zukünftig sollen die Lehrer das „aktive Lernen“ der Kinder und Jugendlichen viel mehr als bisher fördern und unterstützen. Dazu müssen sie sich jedoch zunächst selbst neue Methoden aneignen und in ihrem Unterricht umsetzen. Basierend auf dem „Niedersächsischen Unterstützungs- und Beratungskonzept zur systematischen Verbesserung der Unterrichtsqualität“ beendeten jetzt die drei Schulen des Schulverbundes Twist (Ansgarschule, Christopherusschule, Franziskusschule) und die Bonifatiusschule aus Dalum ihre Qualifizierungsmaßnahme. Für die Dauer von zwei Jahren hatten sich die Schulen zu einem so genannten „Set“ (Gruppe) zusammengeschlossen und in unterschiedlichen Bereichen geschult. Zwei Trainerinnen für Unterrichtsqualität standen den Lehrerkollegien zur Seite.
Schüler sollen Aufgaben und Problemstellungen zunehmend eigenverantwortlich im Unterricht bearbeiten können, denn Lernen ist langfristig nur dann erfolgreich, wenn Kinder und Jugendliche es selber tragen. Dafür müssen sie aber verschiedene Kompetenzen erwerben. Die Schüler werden zum Beispiel der Fragestellung konfrontiert: Wie sieht ein ansprechendes und informatives Lernplakat aus? Wie halte ich vor einer Gruppe einen interessanten Vortrag? Neben diesen Lern- und Arbeitskompetenzen lernen die Schüler unter anderem beim Kommunikationstraining, den anderen in die Augen zu schauen.” Gemeinsam legen die Kinder verbindliche Regeln fest, nach denen die Arbeit verlaufen soll. Ausgangspunkt der so genannten Trainings- oder Lernspiralen ist das Vorwissen des einzelnen Schülers, der das, was er zu einem bestimmten Thema weiß, erst alleine und anschließend mit seinem Partner zusammenträgt. Schließlich folgt die Gruppenarbeit. "Die Kinder stärken ihr vorhandenes Wissen, indem sie es anderen erzählen, und lernen gleichzeitig voneinander”, sagt Bernhard Kramer, Schulleiter der Dalumer Bonifatiusschule.
Leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler können sich, sobald sie ihre Aufgabe erledigt haben, eine Helferplakette holen und ihre Mitschüler unterstützen. Grundsätzliches Ziel ist es, dass die Kinder lernen, sich die fachlichen Lerninhalte selbst zu erschließen. Da zum vollständigen Lernprozess auch die Reflexion gehört, bespricht und bewertet die Klasse ihre Arbeitsergebnisse auch – die Lehrkraft tritt in den Hintergrund, ihre Rolle ändert sich grundlegend. Im Lernprozess der Schüler ist sie überwiegend Moderator, Materialbeschaffer und Organisator. Diese Arbeitsweise funktioniert bereits ab der ersten Klasse und wird mit Fortschreiten der Klassenstufe immer weiter entwickelt; es kommen komplexere Methoden, wie z. B. das Beschaffen von Informationen aus dem Internet hinzu, die von den Kindern genutzt werden.
Damit dies gelingt, hat das Kultusministerium 120 Trainerinnen und Trainer für Unterrichtsqualität ausgebildet, die vor Ort in den Schulen in Modulen und Workshops auf die Arbeit mit einem erweiterten Repertoire an Lernstrategien für eigenverantwortliches Lernen vorbereiten. Die Trainer begleiten für zwei Jahre vier bis sechs Schulen im „Set“. Durch ihre Arbeit soll die systematische und jahrgangsweise Verankerung in der Schule gesichert werden. Nach Abschluss der zwei Jahre verfügen Lehrer wie Schüler über eine „Werkzeugkiste“ in den Bereichen: neue Methoden, Kommunikationstechniken sowie Teamarbeit und Hinführung zu selbst gesteuertem Lernen.