Ansgarschule Twist
 
 

30 Millionen Euro investiert

Pufferzone um Naturschutzgebiet Twist

Bericht aus der Meppener Tagespost von Oktober 2016

 

Twist. In den Randbereichen des Naturschutzgebiets Bargerveen werden in den nächsten Jahren fast 30 Millionen Euro zur Einrichtung von Pufferzonen investiert. Davon sollen der Naturschutz und die Anwohner profitieren, auch in der Gemeinde Twist.

Das Startzeichen durften Kinder aus den Grundschulen der umliegenden Dörfer geben, unter anderem von der Ansgarschule Twist. Gemeinsam mit dem Deputierten der niederländischen Provinz Drenthe, Henk Jumelet, schütteten sie beim Aussichtshügel mitten im Schutzgebiet ein Grabenstück zu. Finanziert werden die Vorhaben aus Mitteln der Europäischen Union, vermittelt über die Ems-Dollart-Region, der Provinz Drenthe, der Gemeente Emmen und der staatlichen Forstbehörde Staatsbosbeheer. In vier Jahren soll der Übergangsbereich vom Schutzgebiet zu den umliegenden Fläche im Internationalen Naturpark Bourtanger Moor/Bargerveen neu gestaltet sein.

Natura 2000-Gebiet

André Jansen, Vorsitzender der Expertenkommission Feucht- und Heidegebiete schilderte den Weg von der Moorkultivierung zur Renaturierung. Der niederländische Staat kaufte 1968 den sieben Hektar großen Meerstalblok bei Zwartemeer, das letzte noch einigermaßen intakte Teilstück des Bourtanger Moors das einst im deutsch-niederländischen Grenzgebiet mehr als 200.000 Hektar bedeckte. Schnell war klar, dass ohne eine Wiedervernässung der umliegenden Flächen das Naturschutzgebiet mit einer Torfauflage von bis zu acht Metern über dem Sandboden austrocknen würde. So wurden dann in weiteren Teile des Bargerveen der Torfabbau eingestellt und die Gräben zugeschüttet. Inzwischen ist das Bargerveen mit 2.500 Hektar eines von 15 Natura-2000-Gebieten in den Niederlanden. Seit 2014 stellen die Naturkundler ein natürliches Moorwachstum in Teilen des Meerstalbloks fest.

Abhängig vom Wasserstand

Aber dieser Erfolg ist gefährdet, denn die besondere Pflanzengesellschaft braucht einen gleichmäßigen Wasserstand. In einem natürlich gewachsenen Hochmoor reguliert sich dieser von selbst, erklärte Jansen. Im Bargerveen muss nachgeholfen werden. Lebendes Hochmoor gibt kaum Wasser an das Grundwasser ab, da sich an der Grenze zwischen Torf und Sand eine wasserundurchlässige Mineralschicht bildet. Daher sollte die Versickerung in den Randgebieten des Moores gebremst werden. Außerdem muss der Abfluss des Oberflächenwassers reguliert werden. Jetzt soll das Moorgebiet, dort wo Abflüsse festgestellt worden sind, mit in die Tiefe reichenden Lehmbarrieren abgedichtet werden. Vorgesehen ist dies bei den Dörfern Weiteveen, Zwartemeer, Nieuw Schoonebeek und an der deutsch-niederländischen Grenze bei Twist-Schöninghsdorf. Zudem wird die Aufnahmekapazität der Regenrückhaltebecken am Schutzgebietsrand erweitert. „Mehr Wasser für das Moor, weniger für die umliegenden Flächen“, nannte Jansen als Ziel.

Bert van Guldener, vom Verwaltungsbeirat Bargerveen-Schoonebeek, sagte, dass dies mit Eingriffen in die Belange der Anlieger verbunden ist. Er dankte den Betroffenen für ihre Kompromissbereitschaft. Die Landwirtschaft in Nieuw Schoonebeek könne von der Flurbereinigung profitieren. 1.000 Schafe und 100 Rinder sollen auf natürliche Art Landschaftspflege betreiben. Das Gebiet werde attraktiver für den Tourismus. Der Hof Maarsingh wird einen Teil seiner Flächen abgeben, damit ein Heidegebiet als Pufferzone zwischen landwirtschaftlichen Flächen und dem Naturschutzgebiet entstehen kann. Hofbesitzer Maarsingh schilderte sichtlich bewegt, wie er ab 1983 auf abgetorften und tiefgepflügten Flächen seinen Betrieb aufbaute. Die Entscheidung, den Betrieb zu verkleinern und umzustrukturieren sei nicht leicht gefallen. Aber er liebe das Moor und deshalb will er einen Beitrag zu seinem Schutz leisten.